Mexiko: Ein erneutes Verschwinden: Gewalt und Auswirkungen, mit denen Frauen, die in Mexiko nach ihren verschwundenen Angehörigen suchen, konfrontiert werden

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Mexiko befindet sich in einer schweren Krise mit mehr als 128.000 verschwundenen und vermissten Personen. Diese Verschleppungen, von denen viele gewaltsam erfolgten, beeinträchtigen nicht nur das Leben der Verschwundenen selbst, sondern auch das ihrer Angehörigen, einschließlich ihrer Familien und Gemeinschaften, da diese anhaltenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Diese hören erst auf, wenn der Verbleib der verschwundenen Person geklärt und die Wahrheit über die Geschehnisse festgestellt ist.
Es sind vor allem Frauen, die sich unermüdlich auf die Suche nach ihnen machen. Mütter, Ehefrauen, Schwestern und Töchter stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, ihre Angehörigen zu finden und für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu kämpfen.
Trotz gesetzlicher Verpflichtungen bleiben die staatlichen Maßnahmen oft wirkungslos. Deshalb haben Frauen die Initiative selbst ergriffen. In mehr als 234 Kollektiven organisieren sie sich im ganzen Land, bilden sich weiter in Forensik, Rechtsfragen und psychologischer Unterstützung – und suchen oft unter Lebensgefahr nach ihren Liebsten, auch in Gebieten, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden.
Der Bericht von Amnesty International, basierend auf dokumentierten Erfahrungen von 600 Frauen, zeigt: Die staatlichen Schutzmechanismen greifen zu kurz. Viele Frauen wenden sich aus Misstrauen oder Angst nicht an die Behörden – auch, weil diese teils mit kriminellen Gruppen verstrickt sind. Ebenso dokumentierte Amnesty International Fälle, in denen suchende Frauen von Beamten stigmatisiert und reviktimisiert wurden. Institutionelle Unterstützung bleibt lückenhaft, bürokratisch und vielfach nicht geschlechtersensibel.
Wenn sie sich selbst auf die Suche begeben, sind die Risiken enorm: Bedrohungen, Angriffe, Erpressung, gewaltsame Vertreibung und sogar Mord gehören zur traurigen Realität. Seit 2011 wurden mindestens 30 Angehörige von Verschwundenen getötet – darunter 16 Frauen. Die Frauen, die suchen, sehen sich zusätzlich mit tief verwurzelter geschlechtsspezifischer Diskriminierung konfrontiert, verstärkt durch Faktoren wie Armut, indigene Identität, Nationalität oder sexuelle Orientierung.
Auch die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Viele Suchende leiden unter psychischen Belastungen, chronischen Erkrankungen und finanziellen Nöten, da sie ihre eigenen Mittel für die Suche aufbringen müssen – oft auf Kosten ihrer Existenz und der ihrer Familien. So zeigen, dass die fehlende staatliche Unterstützung in Zusammenhang mit Schulabbrüchen steht und Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder hat.
All diese Gewaltformen und deren Folgen verletzen die Menschenrechte der Sucherinnen und ihrer Familien. Es ist ein Klima der Straflosigkeit, des verlorenen Vertrauens in den Staat und der vorherrschenden strukturellen Diskriminierung. Amnesty International fordert die mexikanische Regierung auf, das Recht auf die Suche nach Verwundeten und die Arbeit der Sucherinnen anzuerkennen sowie ihre Rechte umfassend zu garantieren. Dazu gehört, eine geschlechtsspezifisch und intersektionale Perspektive auf gewaltsames Verschwinden in der gesamten staatlichen Arbeit zu implementieren und eine konsequente Anwendung internationaler Menschenrechtsstandards zu gewährleisten.

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